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Hourtin Plage – Lacanau-Océan

Der weitere Routenverlauf entlang der Küste in Richtung Süden offenbart bereits vermutete Einschränkungen. Von kleinen Straßen im Hinterland gibt es immer wieder Abzweigungen in Richtung Strand, aber entweder sind es Fuß- und Radwege oder die Wege sind für Fahrzeuge gesperrt. Der französische Schriftzug „inderdite“ wird da zum ständigen Wegbegleiter. Offenbar gibt es auf dem Abschnitt nach Hourtin Plage auch einen Renaturierungsversuch, da die Spuren vergangener Befahrungen noch gut erkennbar sind. Das kann ich zum einen gut nachvollziehen, wenn sich jeder weiterhin mit Fahrzeugen durch den Sand graben würde, wäre hier bald alles in der Grütze 😉 Zum anderen natürlich für mich ärgerlich, weil sich so kein ungestörtes Plätzchen finden lässt. Und selbst auf einem der wenigen ungesperrten Wege, auf dem ich auf ein weiteres vordringen wegen zu tiefen Sandes verzichte, meint irgendein Franzose in seinem SUV, dass diese hier fast vollständig gerodete und zerstörte Waldfläche Privatbesitz sei und dass das Befahren verboten sei. Ich empfehle ihm, dann doch wie an den anderen Wegen auch, einen entsprechenden Hinweis an der Zufahrt aufzustellen. Alternativ gibt es dann noch oft sehr schöne Park- bzw. Rastplätze wie z.B. in Hourtin Plage, die aber gerne mit einer Höhenbegrenzung von um die 2 Meter versehen sind (das variiert zwischen 1,80m und 2,30m warum auch immer?). Maubuisson an der Route de Lacs wartet immerhin mit einem schönen Binnensee samt Strand auf, allerdings sind nur sportliche Aktivitäten erlaubt, eine weitere fragwürdige Maßnahme im Kampf gegen Covid19. Offenbar halten sich aber alle dran, der Strand ist menschenleer, sportliche Aktivitäten sind auch nicht auszumachen. In Lacanau-Océan wurde gleich der gesamte eigentlich frei befahrbare Rastplatz direkt hinter den Dünen komplett gesperrt, ob wegen Covid19 oder weil die Höhenbegrenzungen noch nicht fertig sind, lässt sich nicht erschließen.

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Grand Crohot

Also bleibt zunächst ein Stellplatz in Grand Crohot Océan, der natürlich entsprechend frequentiert ist. Neben diesem Stellplatz gibt es dort noch einen Campingplatz und einen Hähnchen Grill, das war’s auch schon. Aber selbst hier wie an allen öffentlich zugänglichen Strandabschnitten sind die Rettungsschwimmer der „poste de secours“ mit allen verfügbaren Mitteln in unermüdlichem Einsatz gegen uneinsichtige Badeurlauber, wegen der gefährlichen Strömungen. Wer übrigens gerade auf der Suche nach einem Ford Ranger sein sollte, Finger weg von diesen versalzenen Modellen, das würde nicht gut enden 😉 Wer des Kampfes gegen die Brandung müde ist, kann an den riesigen Stränden  die Zeit aber auch mit dem Sammeln verbringen, vorzugsweise von Muscheln. Sollte das heutzutage aber bereits als antiquiert gelten, lassen sich auch Plastikreste aller Art finden, die man zu schönen bunten Bildern zusammenstellen kann. Daneben gibt es immerhin noch die Schönheit der Natur zu entdecken, soweit sie sich noch durchsetzen kann.

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Und dann wäre da noch die Sache mit den Hinterlassenschaften der deutschen Wehrmacht. Es gibt Bunker die wohl trotz Sprengversuchen noch hunderte von Jahren hier überdauern werden, und andere, wie am Cap Ferret, die nach 80 Jahren langsam ins Meer gespült werden. In weiteren 80 Jahren sollte davon wohl nichts mehr übrig bleiben. Wer sich jetzt also ala Berliner Mauer noch schnell einen historischen Stahlbetonklumpen einer unrühmlichen deutschen Vergangenheit sichern will, sollte langsam handeln. Der Schrott der Berliner Mauer soll ja zwischenzeitlich zu Höchstpreisen gehandelt werden 😮 Vielleicht lässt sich an dem Wehrmachtsschrott ja auch noch der ein oder andere Euro verdienen. Aber Vorsicht, alles Meeeegaa gefährlich! 😉 Genau wie das campen auf Öl- und Gasquellen …….

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Direkt gegenüber der langsam versinkenden Bunker erhebt sich die Dune de Pilat. Ein echtes highlight, auch wenn die Besteigung von der Ostseite bei knapp 30°C schon recht schweißtreibend ist. Bei 45° Steigung (also 100%) geht es zwei Schritte vorwärts und einen wieder zurück. Oben angekommen gibt es aber einen fantastischen Ausblick in alle Richtungen!

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Sehr schöne Stellplätze gibt es übrigens kurz hinter Le Petite Nice, allerdings wären am Automaten 25,-€ Parkplatzgebühr zu entrichten, und nur für Fahrzeuge über 2 Meter Höhe, dafür ohne jedwede Infrastruktur. Es sei denn, man belästigt die Betreiber eines der beiden vorhandenen Strandrestaurants. Einige zahlen andere nicht und die meisten verlassen den schönen Platz wieder. Erfolgreiches Tourismusmanagement geht irgendwie anders, z.B. in Biscarrosse Plage. 13,-€ Stellplatzgebühr für 24h und wenigstens mit minimal facilities wie WC, Trinkwasser und Entsorgung. Was ganz neues bietet der Plage de l’Espécier, hier gilt ein Übernachtungsverbot in der eigentümlichen Zeit zwischen 01:00 und 06:00 Uhr! Ich frage mich wer um diese Uhrzeit wohl zum kontrollieren käme? Da es aber nach einer abendlichen Restwrackbesichtigung von vor 44 Jahren gestrandeten Schiffen ausgesprochen leer auf dem Stellplatz ist, beschließe ich das nicht auszuprobieren und ziehe für die paar Stunden zwei Kilometer landeinwärts um.

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Noch etwas weiter südlich am Plage de la Lette Blanche gilt das Parkverbot von 22:00 bis 08:00. Ich trudel also um 08:25 Uhr ein und während der Kaffee grad‘ schön am dampfen ist gibt es Besuch von der Gendarmerie. Der Arme hat wohl verschlafen und zieht auch gleich wieder von dannen, obwohl er es sich nicht nehmen lässt die anderen halbes Dutzend Fahrzeuge auch noch zu kontrollieren. Ansonsten sehr schön und sehr gemütlich alles, die Ruhe wird nur zeitweilig durch einen eifrigen Forstpfleger gestört, der abgestorbene Bäume fällt, zur Sicherheit eben. Aber VORSICHT, manchmal fallen die dann halt nicht so ganz um und wehe dem, der das dann beim pieseln nicht rechtzeitig bemerkt 😮

Glücklicherweise verlasse ich dann ziemlich exakt um 22:00 Uhr das Terrain als mir die Gendarmerie auch schon wieder entgegen kommt. Dieses mal in zivilem Fahrzeug aber mit blauer Leuchtreklame. Die bekomme ich deshalb zu sehen, weil ich vorhatte ganze 10 Meter entgegen der Fahrtrichtung das Gelände zu verlassen. Ich solle doch bitte außen herum fahren (200 extra Meter) et bonne nuit! Wie es den verbliebenen Leuten ergangen ist entzieht sich leider meiner Kenntnis …. ? Ich übernachte dagegen vorschriftsmäßig auf einem gebührenpflichtigen Stellplatz in Moliets et Maa, dessen Sanitäranlagen wegen Covid19 allesamt geschlossen sind. Der Preis wurde derweil nicht reduziert und was mich besonders erstaunt: ein öffentliches WC in der Nähe ist geöffnet und auch gereinigt! Da zwingt sich eigentlich schon wieder der Verdacht der Personaleinsparung auf, halbe Kosten bei doppelter Rendite. Und wie will man die Virusausbreitung eindämmen, wenn weniger verfügbare Sanitäranlagen durch eine zigfache Personenzahl genutzt werden? Da bin ich offenbar zu einfach gestrickt als dass sich mir diese Logik erschließen würde.

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Fazit Cote d’Argent: ist eine sehr schöne Gegend mit ewig langen und breiten Stränden. Ein echtes Surfer und Kiterparadies, aber leider zumindest in der Saison nix für Reisende und Offroadenthusiasten und diejenigen, die einsame Stellplätze am Meer oder in den angrenzenden Wäldern suchen. Diese gäbe es zwar zu Hauf, aber wenn man den aufgestellten Schilderwald zur Kenntnis nimmt, dann sind diese meist alle für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Das ist zum einen nachvollziehbar, wenn es darum ginge Naturreservate zu schützen, zum anderen aber auch wieder nicht, da es sich meist um forstwirtschaftlich genutze Flächen inklusive der dadurch bedingten Rodungsflächen handelt. Was hier mit dem Befahren der sandigen Waldwege zerstört werden könnte erscheint doch recht fraglich. Die offiziellen Park- und Stellplätze sind darüber hinaus derart reglementiert, dass ein legitimer Aufenthalt über 24 Stunden eher die Ausnahme ist. Positiv aufgefallen ist aber das Radwegenetz, einer Radwanderung über hunderte von Kilometern abseits der stark befahrenen Hauptstraßen in meist unmittelbarer Strandnähe ist hier möglich. Dummerweise hab ich nun nicht auch noch Platz für ein Fahrrad an Bord, aber mieten ginge immerhin! Dafür konnte ich nachträglich nochmal den passenden Wein zur gefahrenen „Route de Vin de Bordeaux“ erwerben und verstauen 🙂

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to be continued: Pyrenäen 2020 part1

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