Northbound – riding the real winter roads
(20.03.2020)

Der Plan im März 2020 gen Norden aufzubrechen um die Wintertauglichkeit unseres ExMo’s mal so richtig auf die Probe zu stellen, bestand schon weit vor dem Auftreten der Covid-19 Pandemie. Zum geplanten Reisetermin via Frederikshavn mit der Stena Line nach Göteborg überzusetzen verschärfen sich allerdings zeitgleich die Restriktionen verschiedener EU Staaten, mit dem Ziel, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Nachdem Dänemark die Einreise aus Deutschland massiv eingeschränkt hat, erstattet Stena Line unbürokratisch die Kosten der bereits gebuchten Fährpassage und wir beginnen zu überlegen, ob wir überhaupt aufbrechen oder besser zu Hause bleiben sollen? Für Schweden gibt es weiterhin keine Reisebeschränkungen, obwohl das Virus natürlich auch Schweden bereits erreicht hat. Letztlich gilt es das Risiko abzuwägen, in einer Millionenstadt zu verharren mit unausweichlichen Ausgangssperren und erhöhtem Ansteckungsrisiko, oder in die dünn besiedelten und zu dieser Zeit kaum bereisten nördlichen Gefilde von Schweden und Norwegen aufzubrechen, wo wir uns defacto sofort in die Isolation bzw. Quarantäne unserer rollenden 6 qm Wohnung begeben. Wir entschließen uns für letzteres, weiterhin ungewiss ob es die richtige Entscheidung ist, und buchen kurzfristig bei TT-Line eine Passage auf der “Tom Sawyer” nach Trelleborg. Die letzten Einkäufe gestalten sich dann noch als Herausforderung, da diverse Zeitgenossen offenbar bereits einen ausbrechenden Krieg befürchten oder Covid-19 mit einem Norovirus verwechseln und sich mit Klopapier für die nächsten 2 Jahre eindecken. Auch deswegen bleibt die Hoffnung, dass die Versorgungslage in Schweden etwas entspannter sein wird. Wenigstens brauchen sich die reisenden Vierbeiner auf der “Tom Sawyer” keine Sorgen machen, für deren Bedürfnisse ist auf dem Oberdeck bestens gesorgt 😉

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Wir dagegen erreichen mit zwei Rollen Klopapier an Bord ohne weitere Probleme das schwedische Festland, wo wir allerdings bezüglich der geplanten Route gleich einige Änderungen vornehmen müssen: nach Norwegen bleibt die Einreise zwar ebenfalls weiterhin erlaubt, allerdings unter der Bedingung einer 14 tägigen Quarantäne. Wie die in der Praxis aussehen soll, wissen wir bislang nicht, und so werden wir zunächst auf der schwedischen Seite verbleiben.

Ein erster naturnaher Übernachtungsplatz bietet sich am südlichen Ende des Bolmen in der Nähe von Skeen, wo die Fischfangsaison vermutlich nach einigen wenigen Tagen erledigt sein sollte. Bei den dortigen fest installierten reusenartigen Fangschleusen kann absolut nichts entkommen, nicht einmal die Kanufahrer, sollten sie das bereits unleserliche Hinweisschild für die Portage übersehen. Was uns bereits vorher schon aufgefallen ist bestätigt sich hier, die Seen und Flüsse in Südschweden führen erhebliches Hochwasser. Ob das für diese Jahreszeit normal ist, wissen wir allerdings nicht.

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Über einen weiteren Zwischenstopp am nördlichen Vänern, wo wir wieder einen tollen Übernachtungsplatz direkt am See finden, erreichen wir über die ersten Eisstraßen ebenfalls unser erstes Etappenziel am Nasfjället. Allerdings gibt es dort bis auf einen belegten Dauercampsite und einige Hütten nur einen kleinen Liftparkplatz, auf dem wir uns aber gegen ein kleines Entgeld für die Nutzung der Sanitäranlagen hinstellen dürfen. Tags drauf starten wir dann bereits eine Tour mit Schneeschuhen bis auf das Fjäll. Der einzige vorhandene und kurze Schlepplift bleibt bald zurück, lediglich ein supercooler Skidoofahrer stört gelegentlich die Ruhe, wir sind halt noch außerhalb des Nationalparks. Einige Kilometer weiter nördlich innerhalb des Nationalparks ist die Ruhe dann wieder hergestellt, Skidoo’s not allowed 🙂

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Da wir uns während der Fahrtabschnitte auf die Eispisten konzentriert haben und die Schneeketten weiterhin trocken für den Notfall verwahren, ist uns ziemlich spät aufgefallen, dass wir bereits seit Tagen mit einem defekten Hinterreifen unterwegs sind. Zum Glück verliert er nur langsam die Luft, so dass wir aufgrund der Witterungsbedingungen und der eisigen Stellplätze bislang dem notwendigen Reifenwechsel erfolgreich aus dem Wege gehen konnten 😉 ein zeitweiliges Aufpumpen mittels des Bordkompressors ist noch hinreichend ………

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……. und deshalb geht es erst einmal weiter in Richtung Norden, mit einem Übernachtungsplatz direkt an einer der vielen Iceroads, an der wir am morgen vom vorbeidonnerndem Streudienst geweckt werden, ein LKW der den Split einfach mit hochgestelltem Kipper verteilt.

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Nach einem Tag home-office ging es dann mal wieder eine Runde um den Block 😉 aber irgendwann wurd’s uns dann doch zu steil 🙂 und wir bezogen wieder unsere mobile Quarantäne Station wo schnell der Kaffee auf dem Ofen dampfte.

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Über Idre, wo wir nur unsere Vorräte aufstocken, und wo es sogar Hefe, Mehl und Klopapier gäbe (nur Taschentücher sind aus 😉 ), geht es direkt weiter hinauf zum Nipfjället. Das schöne Wetter bleibt uns weiter erhalten, und wir machen uns noch am selben Nachmittag über den “Trollvägen”, auf dem unser ExMo von ganz alleine den Berg hinaufrollen würde, doch besser per Pedes auf zum “Gipfel” des Lillnipen. Unser defektes Hinterrad hat den magischen Zauber leider ausgebremst 🙂 Auf dem Gipfel weht ein scharfer eisiger Wind, der uns dort nicht lange verweilen lässt, da der Nipgubben offenbar schlechte Laune hat. In der ebenso eisigen Nacht zeigen sich auch die ersten Schwächen unseres angeblich “expeditionstauglichen” Wohnmobiles, doch davon später mehr.

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Nipgubben

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Wir fahren wieder hinab ins Tal, wo uns bereits milde -4° C empfangen und beziehen auf dem einzig geöffneten Campsite in Idre einen Stellplatz, wo wir auf nahezu trockenem Untergrund in Ruhe den defekten Reifen wechseln können. Bei näherer Betrachtung des Schadens offenbart sich ein vermutlich irreparabler tiefer Einschnitt im Profil der Lauffläche. Hoffen wir also mal, dass der nunmehr angeschlagene zum Ersatzreifen degradierte Pneu für die nächsten 3000 km nicht mehr benötigt wird.

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Nach getaner Arbeit und ausreichend Kaffee genießen wir die Abendstimmung.

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to be continued: Sverige 2020 part2