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Varangerfjorden

bevor es so richtig südwärts geht, machen wir noch einen Abstecher an den Varangerfjord bis nach Bugøynes. Unterwegs gibt es noch einen Angelstop in der Makkebukt, der aber erfolglos bleibt. Die Übersetzung von Makkebukt ist uns nicht geläufig, aber vielleicht hat diese Bucht ja so ihre macken und es gibt deshalb auch keine Fische?? In der Bucht gibt es eine kleine Insel mit dem wohlklingenden Namen Ruoššasuolu, die allerdings nur bei Niedrigwasser trockenen Fußes zu erreichen ist.

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Auf dem kleinen Campingplatz in Bugøynes dürfen wir dann wegen der Nachsaison für sage und schreibe 200.- NOK übernachten 😉 Ohne Strom und ohne Sanitäreinrichtungen, die leider direkt am Stellplatz schon geschlossen sind. Normalerweise kostet der Spaß hier das doppelte, und dass obwohl es unweit des Ortes auch Stellplätze for free gäbe. Da wir aber die 300 m entfernten Sanitäreinrichtungen der zugehörigen Hüttenvermietung nutzen dürfen, bleiben wir, obwohl das Nachts natürlich mehr als unpraktisch ist. Dafür nutzen wir dann am nächsten Morgen das volle Programm inklusive Dusche und Wasser bunkern, indem wir mit dem ganzen ExMo einfach zum “Hauptgebäude” umziehen. Sterne würden wir für diesen schön gelegenen Platz dennoch nicht allzu viele vergeben, da das Preis Leistungsverhältnis insgesamt eher suboptimal ist. Der Ort selber erweist sich aber als ausgesprochen gemütlich und sehr schön gelegen. Ein Blick auf die immigrierten russischen Kingcrabs, die in Bugøynes angelandet werden, bleibt uns aber leider verwehrt. Dafür gibt es massenweise die “falschen Preiselbeeren” zu sehen, laut Wikipedia handelt es sich um die niedere Scheinbeere, welche aber nur in Nordamerika vorkommen soll. Ob nun die Klassifizierung dieser Beeren völlig falsch ist oder sie urplötzlich den Köngiskrabben hinterher gezogen sind bleibt vorerst unbeantwortet und wir erfreuen uns einfach nur an der Farbenpracht …..

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Suomi

 

Weiter in Richtung Kirkenes, welches wir links liegen lassen, wechselt die Landschaft schlagartig und wir finden uns im Urstromtal des Klokkerelva wieder, welches durch eine wilde und Tundra ähnliche Landschaft geprägt ist. Über die Grenze nach Finnland leisten uns dann blinde Passagiere Gesellschaft und die Landschaft ändert sich wieder schlagartig. Wir fahren zwischen endlos scheinenden Seen hindurch, an denen es viele schöne Plätze zu erkunden gäbe. Einer wird fast zur Sackgasse, da sich das Wenden am Ufer des Inarijärvi als problematischer gestaltet als zunächst angenommen. Aber schließlich ist es nach diversen Fehlversuchen doch noch gelungen das ExMo umzudrehen, so dass die enge Passage nicht im Rückwärtsgang bis hinauf zur Straße bewältigt werden muß. Zur Belohnung gibt es an diesem schönen Plätzchen erstmal eingekochte Puolukka (Preiselbeeren) aus eigener Ernte. Am Luttojärvi schlagen wir tags drauf unser Nachtlager auf und beschließen den Tag bei Lagerfeuer und frisch gegrilltem Fisch. Besser kann man es eigentlich kaum haben, zumal das Wetter weiterhin gnädig ist und sich von seiner besten Seite zeigt ……

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lecker !!!!

 

auch lecker !!!!!

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Kurz vor dem kleinem Dorf Pessalompolo geht es dann unbemerkt und unspektakulär auf Gravelroads über den Polarkreis weiter südwärts. Die Szenerie am Miekojärvi bleibt aber weiterhin spektakulär, auch wenn sich in diesem Jahr partout keine Polarlichter zeigen wollen.

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Sverige

Also genießen wir stattdessen die Szenerie am Piteälven, dem wir abseits der Hauptrouten stromaufwärts folgen, was uns allerdings etwas vom Südkurs in Richtung Nordwesten abbringt. Vom Fällforsen über den Storforsen geht es bis zum Trollforsen. Alles in allem ist es also ziemlich strömisch und sehr gefährlich am Piteälven. Aber zwischendurch gibt es amüsantes der ganz anderen Art. Man weiß nicht ob man über soviel Unsinn lachen soll oder sich doch ernsthaft Sorgen über die Intelligenz unserer Nato Streitkräfte machen sollte. Ich tendiere ja zu letzterem! Aber von vorne: Zwischen den Dörfern oder besser Häuseransammlungen Gransl und Granholmen gibt es nämlich einen Militärflugplatz am Piteälven. Das ist nun erstmal nichts besonderes, da wir in Skandinavien schon die ein oder andere militärische Einrichtung mitten in der Pampa gesehen haben. Nun wird man hier allerdings in besonderer Weise auf diesen Flugplatz aufmerksam gemacht. Es beginnt mit überdimensionalen Schildern, an denen ich zunächst völlig ignorant vorbeigefahren bin, und auf denen in sieben Sprachen großzügig die Durchfahrt und die Zufahrt nach Nästräsk gestattet wird. Lediglich auf schwedisch wird man dann noch auf ein absolutes Fotografierverbot der vermutlich total geheimen Sicherheitseinrichtungen hingewiesen und ein Betreten ohne Genehmigung ist natürlich ohnehin nicht gestattet. Der Clou ist aber, dass etwa alle 50 Meter beidseits der ca. 15 km langen Straße dieselben Schilder im Kleinformat an den Bäumen hängen. Bei einem derat streng geheimem Wald fragt man sich natürlich erst recht was wohl interessantes hinter dem Wald liegen mag, was noch nicht von Fernerkundungssatelliten oder militärischen Drohnen längst ausgespäht wurde? Der Schilderhersteller wird sich jedenfalls die Hände gerieben haben, wenn es denn ein privatwirtschaftliches Unternehmen war. Ich muss nicht erwähnen dass auf diesem Straßenabschnitt absolutes Halteverbot herrscht, erwähnenswert ist aber noch, dass es zwei parallele Straßen gibt, Schotter fürs Fußvolk und Asphalt fürs Militär. In diesem Punkt war ich natürlich froh auf der Schotterpiste fahren zu dürfen 😉 Ein Militärfahrzeug durfte auch auf der Schotterpiste fahren, es verfolgte uns für ca. 5 km und verschwand dann wieder im Wald, wie schon gesagt alles top secret, also nicht weitererzählen 🙂 Vielleicht waren auch nur die Trolle am Werk, zum Trollforsen ist es schließlich nicht mehr weit ………

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Trolle am Trollforsen

 

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Nach einigen herbstlichen Eindrücken samt “komischer” Vögel verlassen wir den Piteälven über die alte Eisenbahnbrücke bei Moskosel und ziehen über frisch abgezogene Gravelroads nicht nur die erste Spur in den Schotter sondern nun auch wieder südwärts.

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Die letzten Etappenziele auf dieser Reise sind ein Abstecher zum Vindelälven und zwei sonnige aber sehr kalte Tage im Fulufjället Nationalpark. Zunächst geht es dort auf breiten und hoch frequentierten Pfaden ganz klassisch zum Njupeskär Wasserfall, eine der wohl meistbesuchten Attraktionen im ganzen Nationalpark. Von dort schlagen wir uns dann wegen eines gesperrten Weges (trail construction ahead 😉 ) vorsichtig durch die Botanik auf das Fjell und gelangen schon bald auf die weniger frequentierten Wege mit noch besseren Aussichten.
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Obwohl es in der Nacht Regen gibt, belohnt uns der Morgen erneut mit einem strahlend blauen Himmel aber eisigen Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt. Da ist wohl in der Nacht eine Kaltfront durch gerauscht, die nun die klare, kalte Luft polaren Ursprungs direkt nach Süden transportiert. Wegen des Wochenendes und des zu erwartenden Besucheranstroms brechen wir dennoch früh zu einer kleinen Rundwanderung über das Fjell auf. So begegnen wir auf dem Weg zum Harrsjön tatsächlich keiner Menschenseele, mal abgesehen vom Hüttenwirt der Rösjöstugorna, die direkt am südlichen Kungsleden liegt. Die Pause an der Schutzhütte des Harrsjön fällt allerdings recht kurz aus. Obwohl es ein sonniges und schön gelegenes Plätzchen gibt, pfeift der eisige Wind um alle Ecken der Hütte, so dass wir uns bald wieder warm laufen müssen. Da die “kleine” Tour insgesamt unter 20 km lang ist und wir den Wind auf dem Fjell nicht so richtig einkalkuliert haben, sind wir nur mit leichtem Gepäck unterwegs. Die dicken Pullover liegen derweil warm und trocken im ExMo. Aber beim Abstieg auf dem alten Pfad hinab zur Talsohle des Njupeskär wird uns schnell wieder warm. Dieser sehr steile Weg führt uns dann auf die restlichen 100 Meter des eigentlich gesperrten Weges, der wohl gerade turnschuhgerecht ausgebaut wird und den steilen Pfad in einem großen Bogen umgehen wird. Die unfertige Brücke über den Njupån umgehen wir vorsichtshalber über einen behelfsmäßigen Übergang, nur für den Fall dass die Sperrung einen nicht sofort ersichtlichen Grund haben sollte und wir natürlich keinen Ärger bekommen wollen.

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Am Nachmittag geht es nun endgültig heimwärts, und da beim Kaffee kochen die letzte Gasflasche ihren Inhalt verströmt hat, mieten wir uns kurzerhand am Abend in Malung auf dem dortigen Campingplatz ein, um die letzten Vorräte in der dortigen Küche noch zu verbruzeln. Am Morgen ist es dann zwar wieder sonnig, aber bei -2° ist alles zugefroren und die Landschaft ist mit Reif überzogen, so dass der Abschied schwer fällt. Einige Stunden später in Göteborg schüttet es allerdings aus Eimern und das Sonnendeck auf der Stena Danica bleibt verwaist.

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Ende ?

Fazit dieser Reise: wie immer viel zuwenig Zeit für viel zu viele schöne Ecken im hohen Norden. Von den vielen Wald- und Steppenbränden haben wir glücklicherweise keine aus unmittelbarer Nähe gesehen und zeitweise war es uns dann auch schon mal zu naß, was allerdings ein Segen für die ausgetrockneten Wälder war und uns nach der Aufhebung des fire ban auch die Benutzung unseres neuen Frontrunner Grills am Lagerfeuer ermöglichte. Nach der Reise ist dann ja auch wie immer vor der Reise, nur geht es in diesem Jahr schon unmittelbar weiter in Richtung Osten nach Lettland. Lediglich Gas, Wasser und Wein müssen noch aufgefüllt werden, und ab gehts schon wieder auf die Fähre nach Liepäja ………..

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to be continued

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